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diese Seite möchte Sie einladen zur Teilhabe an den

Entzückungen des seligen Fräulein Isaakson

neueste Nachrichten des kreotisch-potetischen Weltbundes ergänzen unser kleines Heilsangebot

Viel Spaß und Volles Genüge!



Immer, wenn sie nieste, roch es nach Zitrone.
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März 2013

Sich nur als Werkzeug zu begreifen, nicht mehr glauben zu müssen, man selbst müsse etwas vollbringen. Warum tut es noch so weh? Die Hände tun mir weh, die Augen, die Füße, ich falle in mich zusammen, kein Ton kommt aus meiner Kehle. Heilig, heilig, nichts ist heilig. Keine Lande sind mit seiner Ehre voll und niemand wird Hosianna rufen. Es ist eine schöne, leere Welt. Zu schade, dass niemand die Leere erträgt. Unendlich viele Strukturen werden geschaffen, um den Raum wieder und wieder mit neuem Raum zu füllen, bis er platzt vor Leere und Neues gebiert aus sich. Man kann, wenn man sucht, die Wahrheit in der Lüge finden, und in dieser Wahrheit wieder viele Lügen voll Wahrheit. Denn wir träumen im Traum und glauben, wach zu sein. Eine Hülle umschließt die andere und gaukelt uns vor, sie habe abgeschlossen. Abgeschlossen mit allem. Aber es wird immer weitergehen. Alles geht auseinander hervor. Nirgends ist Stillstand, nur in unserm Sehnen. Die Hand, die die Bewegung aufhält, müsste größer sein als alles. Wer kann diese Welt zum Kippen bringen? Die Weltordnung verdrehen? Gut und Böse kennen, oben und unten? Wer den Schwerpunkt verliert ist verloren im Einerlei. Die Symmetrie kollabiert in die Identität; das ist der Tod. Eins mit einem zu sein. Es tut nicht weh, es ist fast wie ein Frühlingsregen. Bald vorbei, und nichts an das man sich erinnert.
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Ende Dezember 2012

Wovor hast du Angst?
Ich mag nicht mehr.
Die Zeit ist an diesem Tag stehengeblieben und du hast nicht versucht, es zu verhindern.
Wovon sprechen wir, wenn wir uns unsere Angst eingestehen?
Du musst nicht alles wissen. Wozu?
Der Grat ist sehr schmal, auf dem du gehst, eine kleine Irritation und du fällst. Es gibt kein Halten.
Ich möchte, bevor es zu Ende geht, noch etwas sagen. (Warum gerade jetzt?)
Man kann sich auf den eigenen Kopf nicht verlassen. Zuoft wird er benebelt, berauscht, wahnsinnig vor Angst, ferngesteuert.
Es hilft nur einer, der für einen denkt und alles verwaltet.
Schlafwandlerisch sicher möchte ich durchs Leben gehen und nicht aufwachen und die Gefahr sehen, der ich ausgesetzt bin. Die Drogen nehmen einem die Angst und gaukeln einem vor, der Boden, auf dem man geht, sei sicher, das Seil, das einen trägt, würde halten, und wenn man trotzdem fällt, so ist es ein großer Spaß und das Sterben tut nicht weh.
Wie lange ich in diesem Zimmer lebe, weiß ich nicht mehr, ich erinnere mich an vieles nicht, und von manchem, an das ich mich erinnere, weiß ich, dass es nur Hirngespinste sind.
Bitte, glaub nicht alles.
Darf ich heute einen Spaziergang machen?
Du kannst einkaufen gehen. Und kochen. Und putzen, hier hast du Geld.
Darf man Sprünge machen?
Lohnt es sich aufzustehen?
Möchte er noch etwas von mir wissen?
Hast du den Hamster gefüttert?
Ohne dich, auf den ich immer wieder zurückkomme, an dem ich mich festhalten darf, wäre es nicht zu schaffen.
Wo hält man sich fest, wenn man sonst untergeht?
Worin siehst du Trost?
Welches Shampoo benutzt du?
Bitte trag die Schuhe rein.
Bitte stell die Schuhe raus.
Bitte mach die Augen zu.
Bitte küss mich.
Bitte lass mich allein.
Ich kann jetzt nicht darüber reden. Ich erzähl es dir später. Ich mag jetzt nicht mehr.
Ich kann deine Augen nicht sehen.
Ich kann dich nicht verstehen.
Ich sehe dich nicht.
Ich weiß nicht, was das soll.
Warum verkleidest du dich?
Gib mir doch einmal eine Chance.
Du lässt mich nie ausreden.
Hast du dir die Hände gewaschen?
Ich habe jetzt mit dem Rauchen aufgehört.
Ich trinke nicht mehr.
Ich habe gestern zwei Flaschen Wein getrunken.
Ich bin impotent.
Ich habe keinen Hausarzt.
Ich gehe nie allein dorthin.
Ich muss mich - leider - überraschen lassen.
Ich bitte Sie, nehmen Sie das nicht persönlich.
Es besteht kein Anlass zu fliehen.
Niemand benimmt sich so daneben wie du.
Du bist so peinlich.
Ich vermisse dich.
So geht es nicht weiter.
Ich kann nicht mehr.
Es ist alles eine Frage der Zeit.
Wovon kommt das nur?
Gib mir Bescheid, wenn es was Neues gibt.
Haltet mich auf dem Laufenden.
Es gibt heute kein Abendessen.
Verzeih mir, das wird nie wieder vorkommen. Ich verspreche es dir.
Kannst du mich nicht eine Minute in Ruhe lassen?
Gib mir das Buch zurück.
Das habe ich nie gesagt!
Du bis ein Lügner.
Geh, lass mich.
Lass mich los, du Idiot.
Volltrottel.
Aber wohin dann?
Es gibt keine richtige Antwort.
Ende des Monats ist Abgabe.
Du bist nicht allein.
Was man über Jahre in sich hineingestopft hat, kommt nun wieder heraus.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich am Boden manchmal einzelne Blätter bewegen? Das ist nicht der Wind.

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01.12.2012
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21.03.2012

Vergesst die Unendlichkeit.
 Gott ist auch nur eine kleine Kirchenmaus.

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01.01.2012 – Im Hibernarium der Zuversicht

Im nebligen Wintergarten, in der die Dunkelheit zu Farbe wird, zu Kontur und Körper, ausgestreckt in den kalten Raum, ohne Gefahr, gefasst zu werden, denn da ist keine Hand, die greifen könnte, die Luft kann keiner atmen, habe ich es sitzen sehen, das grüne Biest, die Angst, sie kauerte in einer Ecke versteckt hinter den starren Pflanzenblättern, die sich vor Schreck nicht rührten, alles hielt den Atem an, nur ein vorwitziges Wasser plätscherte vorbei an Zeit und Raum in den Weihrauch hinein, den man in Stücke schneiden konnte. Wo bist du, wenn man dich braucht? Die Frage ist immer wieder neu zu stellen, wie auch die Liebe erschreckend neu und frisch ist jeden Tag, und die Bangigkeit, nur die Gewissheit bleibt und ändert sich nicht, das erzählt man uns in Märchen. Das größte Glück ist es, wenn alles sich fügt und das Schicksal angenommen wird, kein Weinen, keine Angst, Jesu meine Freude. Was macht man, wenn nichts sich mehr regt, wenn man am Ende angekommen ist, und in die Ecke starrt, in die hinein es kein Weiter mehr gibt? Wie froh könnten wir doch sein, alles hinter uns zu wissen, niemanden mehr, der an uns herumschneidet und an den Blättern zupft? Nicht unser Wille geschehe, es ist der eines anderen, sein Reich wird kommen und wir dürfen Zuschauer sein. Es ist gut und muss gut sein, sonst könnten wir nicht leben, könnten nicht voran, nicht einen Schritt. Dort oben ist es so hell, dass es weh tut, keine Faser kann da verborgen sein, wer huschte eben noch hinter die Hütte? Intrigen und Spiele entlarven sich binnen kürzester Zeit, der Verrat selbst verrät sich und die falsche Zunge, dafür braucht man nicht zu sorgen, ein kurzes Lachen genügt und es ist abgetan. Wir alle haben so viel Schmutz an den Kleidern, und keiner hat ein besseres Gewand. Die Idee der Reinheit ist aufzugeben, niemals aber die der Klarheit. Am Ende klärt sich alles, weil die Kraft alles Überflüssige an die Decke schleudert und schließlich ein paar Gramm Wahrheit in der Mitte übrigbleiben. Wenn es leicht wird in der Mitte wissen wir, dass es klar wird um uns. Die Zentrifugation hat den ganzen Winterstaub an die Wand geklatscht, ein buntes Lachen hält verwundert inne, alle Wahrheit klumpt sich am Boden, aber die sieht keiner, weil alle nur das klare Wasser sehn, das darüber steht, gereinigt von allem, was stört.
Was tut man, wenn der Moment vorbei ist, in dem alles gut war?


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2011

Wollte so gerne etwas sagen, aber sagte dann doch nichts, weil sie entweder nicht wusste, wer sie war, oder aber nicht wusste, wem der Mund gehöre, der nicht sprechen wollte, denn der eigene Mund war fern der eigenen Ohren mit fremdem Fleisch gefüllt, das da irgendwie hingekommen war, warum wusste man nicht. So gesehen hatte man, am Abgrund stehend, des Öfteren schon eine Freundlichkeit des Herrn erdulden müssen, ohne zu wissen, welcher Herr denn gerade dran war. Des Raumes zwischen Ohren und Mund beraubt, starrten ihre Augen ins Nichts der Decke, die sie mit gelben Spitzen stach. Wohin? fragte sie immer wieder, wohin sollen wir gehen, wenn wir doch nicht mehr weiter wollen? Du hast uns Worte des ewigen Lebens gegeben, du hast den Odem der Tier inhaliert, du hast die Menschenseelen zum Kochen gebracht, zum Toben, es fließt der Main in den Rhein und der Rhein in die Donau, die Donau kehrt nicht zurück, die Donau fließt und fließt und fließt und ward nimmermehr gesehen, nicht vom eigenen Bruder, nicht vom König und nicht vom Zaren, denn der ist tot und erschossen. Worin aber die Logik besteht, dass alles, was geht, zu einem Ende gehen muss, ist nicht ersichtlich, ersichtlich ist nur, dass der Schritt von selbst zu einem Ende kommt, denn der, der ihn geht, stirbt irgendwann und dort, wo er stirbt, ist der Weg zu Ende, auch wenn der Weg noch weiter geht. Es ist aber nicht der Weg, der geht, sondern der Mensch. Und ohne dass ein Weg begangen wird, ist der Weg kein Weg sondern ein Ameisenpfad ohne Namen, Sinn und Verstand. Die vorgegebene Richtung weist nicht aufs Ziel sondern den Weg, denn zum Ziel führen bekanntlich viele Wege und also viele Wegweiser. Wer sagt, der Weg sei das Ziel, vergisst, dass es viele Weg und nur ein Ziel gibt. 
 
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10.10.10

Matthew Barney: Metaphysik als athletische Disziplin. 



Es verwundert nicht, dass ein durchtrainierter Mittvierziger, der Hüft-OP und Grablegung noch vor sich hat, mit der Ansicht übereinstimmt, es sei leichter aufzustehen als hinzufallen.

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08.03.08

Hinterher wird man drüber lachen, wie man über alles lacht, was nicht wirklich ist und vor dem man sich erschreckt hat, aber so richtig lustig wird es nicht sein, weil es ja doch nicht vorbei ist. Warum will man Sachen wissen, von denen man weiß, dass man sie nie wissen wird? Also nicht Dinge, von denen man weiß, dass man sie noch nicht weiß, denn das ist ja die Grundlage jeder Frage, etwas wissen zu wollen, was man noch nicht weiß, etwa: Was kostet das Brot? Wer erschlug Kater Karlo? Und natürlich weiß ich heut noch nicht, wie das Wetter morgen sein wird, oder ob X nächstes Jahr Y heiraten wird und natürlich will ich es wissen, da ich es wissen werde, es ist die Gier, etwas jetzt schon wissen zu wollen, das ich mit ein bisschen Geduld etwas später ganz von alleine wüsste, und sicher ist gutes Insiderwissen immer seinen Spaß wert, nein, die Frage ist:Warum hören wir nicht auf, uns den Kopf zu zerbrechen, über Dinge, die erwiesenermaßen nicht gewusst werden können: Warum bin ich ich und nicht jemand anderes? Wie sähe eine Welt aus ohne Zeit?  Wie geht es dir? Was ist der Unterschied zwischen 3 und 4? Gibt es negative Begriffe? Schön dagegen eine Frage, die gleichzeitig ihre eigene Antwort ist: „Wie heißt die Frage, die sich selbst beantwortet?“ Fragen, die ihre eigene Antwort sind, sind noch eine Spur besser als Fragen, deren Antwort jeder weiß, denn sie sind vollkommen frei von Erkenntnisgewinn, man muss nicht einmal verstehen, wonach gefragt wird, das Problem löst sich ganz von allein.


02.01.08

Gideon, da bist du ja endlich

Zu lange ins Blei gestarrt, es wird Zeit, dass man sich wieder abschnallt.

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Mehrheitlich zweckgebunden, zerschrunden, Gefunkel um Bauchnabels Mitte, Bauchtanzschwanztänzer, Bein-am-Stein-Hänger, Gelbsüchtige, Abenteueresser, Wettbewerbstöter, Angsthelden, Hengstmäster, Achtung-Schreier, Beinahetröster, Tortenbodenverkäufer, Wurtsmessen, Hostessen, Unter-den-Rock-Schlüpfer, Noch-und-noch-Meiner, meins, deins, unseres, in diesem Haus bin ich zu Haus, geh raus aus meinem Haus, mein Haus, mein Heim, Eigenheim, Fremdheim, Gottesanbeterinnen,
Ich bin ein Kochtopf im Kopf eines Irren,
und du bist der Stock, der mich schlägt, bis er bricht.
Lach nicht, das ist zum Heulen.
Kann keiner den Mund halten,
fällt er eben in den Dreck,
Ein Sprung im Kreis, das überzeugt nur den,
die nicht hinschaut. Eine Schlange hüpft ungewollt.
Bussard, sprich.
Maus, sprich.
Ein Kampf spricht.
Es ist rund hier drinnen. Und dunkel.
Es schwappt, das leere Hirn.
Es ist Suppe.
Esst Suppe.
Verkopfte, verkupferte Puppensuppe.
Ein Löffel für dich, ein Löffel für mich,
Pustekuchen
hüpf-hüpf.

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31.12.06

Vorvergangenheit

Knall, Krampf, quietschfidel und bumsfallera, guten Tag, zum letzten Mal in diesem Jahr, alles geht zur Neige, neigt sich, beugt sich, bäumt und bauscht ein letztes, verpuffendes Mal in nicht zu greifende Höhen, sintemal und annodazu, Geheimgekrächz, ein weißer Vogel flog heute morgen auf mein Fensterbrett und sagte zu mir: steh besser nicht auf, bleib im Bett liegen. Ich gehorchte. Und ich gehorchte noch mehr der inneren Stimme in mir, die zu mir sagte: Bleib liegen und zähle die Zähne, die du im Mund hast. Ich tat wie geheißen und kam auf 28. Das ist eine gute Zahl, durchaus zu überbieten, aber wer hat, der hat, und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Als ich derart meine Zähne gezählt und durchnummeriert hatte, sprach die Stimme, offenbar in der Absicht, mich zu beschäftigen, obwohl mir kein bisschen langweilig war: denke nach, wie viele Bettwäschegarnituren du dein Eigen nennst und welche dieser Garnituren im letzten Jahr völlig unbenutzt in deinem Schrank lag. Meine Rechenantwort war: 7, wobei ich mir sicher war, zwei von ihnen nicht benutzt zu haben, einmal die rot-weiß-karierte, die mir Tante Dora vor einigen Jahren noch zu Lebzeiten vererbt hatte, und dann die mit dem scheußlichen Blumenmuster aus dem Nachlass meiner Großmutter. Bei der blauen mit den grünen Streifen war ich mir nicht mehr ganz sicher, vielleicht hatte ich sie im Frühjahr einmal aufgezogen, seitdem war sie allerdings in Vergessenheit geraten, bis jetzt. Derart über den aktuellen Stand meiner Bettwäscheausrüstung informiert lauschte ich erneut auf meine innere Stimme, damit sie mir eine neue Aufgabe stellen konnte. Die Stimme jedoch blieb stumm und mein Lauschen wurde ein angestrengtes. Ich horchte so tief in mich hinein, dass ich sogar meine eigenen Gedanken vom vorigen Jahr noch nachhallen hören konnte, aber niemand sonst meldete sich zu Wort. Sprachlos wandelte ich in einem dunklen Raum umher, eher Waschküche als Vorratskeller, in dem außer dem verklingenden Nachhall äußerst flüchtiger Gedanken nur noch ein beständiges Tröpfeln, Rauschen und Fließen zu hören war, manchmal fern, zuweilen aber auch unvermittelt und überaus erschreckend nah. Mich beruhigend kam ich allerdings zu dem Schluss, dass es sich hierbei um die höchst eigenen Geräusche handeln musste, die mein Körper und mein Geist gleichermaßen ohne Unterlass produzierten, denn Leben heißt bekanntlich in erster Linie, Dinge am Fließen zu halten, und zwar sowohl flüssige als auch nicht flüssige, welche dann, als schwimmende Objekte mithilfe der Flüssigkeiten wie Floße oder Treibgut von einem Ort zum anderen geschwemmt werden. Hörte ich einen dumpfen Schlag, wusste ich: jetzt ist wieder eines dieser schwimmenden Objekte irgendwo angestoßen, hörte ich ein gleichmäßiges Rauschen wusste ich: hier geht alles seinen rechten Gang, ohne Störung des lebensnotwendigen Flusses. Nur ein gelegentlich auffahrendes Zischen beunruhigte mich wieder, denn jedermann weiß, dass nur Gase zischen und Gase sind der Aggregatzustand der ausfahrenden Seele und also des Todes, wo Gas strömt, stirbt entschieden etwas, und das war mir gar nicht recht, denn es war mein eigener Körper, der dort vor Gas zischte, am Ende war ein Teil schon abgestorben und produzierte Fäulnisgase, ein unschöner Gedanke. Als ich die tote Ratte hinter der Wasserleitung entdeckte ging es mir nicht besser. Ich griff mir einen Plastiksack, der wie zufällig auf einem Haufen verdreckter Wäsche lag und wickelte die Ratte darin ein. Wohin mit ihr wusste ich nicht, denn noch weniger wusste ich, wohin mit mir selbst. Es war reichlich dunkel in dem Gewölbe und drückend warm und ich beschloss, mit dem In-mich-hinein-Lauschen aufzuhören und meine Ohren wieder der Welt zu schenken. Die Welt bestand aus einem Fenster das geschlossen war, ich war froh, dass es geschlossen war, denn es war Winter und ich fror beständig. Vor dem Fenster auf dem Fensterbrett saß immer noch der weiße Vogel und schaute mich an, aber er sprach nicht, das heißt, selbst wenn er gesprochen hätte, hätte ich es nicht gehört, da doch das äußerst gut isolierte Fenster verschlossen war, und da kam mir der gar nicht so dumme Gedanke, dass es zuvor gar nicht der Vogel gewesen war, der gesprochen hatte, denn wenn ich ihn jetzt nicht hören konnte, so konnte ich ihn auch vorher nicht gehört haben, selbst wenn er es tatsächlich gewesen wäre, der zu mir gesprochen hätte, und ich kam zu dem neuen Schluss, dass es wahrscheinlich das Radio gewesen war, das mir befohlen hatte, liegen zu bleiben, und dass nur eine kurzzeitige Verwirrung meines Geistes der Grund dafür gewesen war, dass ich geglaubt hatte, das in der Luft vorhandene Gesprochene sei vom Vogel hergekommen, der mich so drollig angeschaut hatte, und nicht vom Radio, was ja doch in einer jeden vergleichbaren Situation das Wahrscheinlichere gewesen wäre. Dieses Irrtums gewahr werdend stand ich auf, wusch mich, zog mich an und dachte ausgiebig über meine Schlechtigkeit nach, denn es verblieben nur noch wenige Stunden, bis die Welt in einem großen Feuerknall aufgehen sollte. Doch das sollte ich schon nicht mehr in der mir bekannten Form erleben.



06.11.06

Ahnengestöber. Ich bin aus der Welt.- Kringelt sich’s lustig wie eine Schlange, der man den Kopf aufgespießt hat, am Boden? Lebwohl, in die Lungenflügel gehaucht, Rückstoßprinzip: viel heiße Luft und weg ist man. Der Kopf ist da, wo Unten hängt. Körper. Klitzekleine Bergsteiger die Gedanken, der eigene Arm ein Massiv, Spitzhacken, nadelfeine Einschläge, Verankerungen um Seile zu spannen, die Schulter der nahe Gipfel, ein Kopf, heute leider in Wolken, ist eine Tempelalbernheit, fällt einer beim Schauen in den Spalt ist er rettungslos verloren, da drinnen ist nichts, nur Schwarz, Fallen zu keinem Mittelpunkt, Fliegen, Tauchen in ausgedünnter Luft, die in ein richtungsloses Weltall mündet, ungeatmet verdampft, zu verständlich, dass er das Wort wieder und wieder wiederholt, er liegt auf der Holzpritsche und sagt seit Tagen dieses eine Wort, warum auch sollte es ein anderes sein? Einen Wasserfall fließt auch nur immer wieder Wasser hinunter, ein Wind bläst immer Wind vor sich her, Sprechen als Kette, als Film, das Wort selbst ein Schallträger, Material, Substanz, die fühlbar wird im Mund des Sprechenden, er lullt das Wort ein, bevor er es wieder und immer wieder neu herausspeichelt, es tropft ihm von der Lippe, er lässt es fallen und lauscht dem Aufprallgeräusch nach, der Sinn des Wortes ist abhanden gekommen, der Mund macht eine Sportgymnastik, Muskeltraining, ein Gesicht bemüht sich, nicht in Totenstarre zu verfallen, der Mann glaubt, er sei ein Wort, er hat lange Haare, von denen er nichts mehr weiß, es genügt ihm, dass sein Mund ein Tier ist, das sich regt, das erinnert ihn an etwas, und daran, dass er noch nicht tot ist, wozu dieses Wissen allerdings gut ist, ist ihm unergründlich, er blickt nach oben, an die weiße Decke, über die hinweg sich ein langer, feiner Riss zieht, und sieht eine Hand sich hin und her bewegen, ohne die Bewegung der Hand als Winken zu erkennen. Es wird ihm immer wieder etwas vorgeführt, immer wieder anderes, wenn auch Bekanntes, er weiß die Gegenstände anzuschauen, die ihm so den Blick auf den Riss von Zeit zu Zeit verdunkeln, doch erkennt er keinen, denn eine eintönige Melodie perlt aus ihm heraus, deren Fluss niemand stören darf, kein anderes Wort, kein Benennen und Erkennen, die Veränderung durch die Zeit darf sich selbst nicht verändern, kein Umschauen, kein Rückblicken, kein Anhalten ist erlaubt, er ist angeschnallt und das hat seinen Grund, manchmal DARF man nicht fragen warum, es wird seinen Grund haben, ganz gewiss, und dieser Grund ist ein guter, es ist der beste Grund, den sich der klügste und mächtigste Geist nur denken kann, der Gurt liegt fest an, das allein beweist wie gut alles ausgedacht ist, und dass man den Kopf nicht wenden soll, nicht wenden darf, es geschieht alles wie es geschehen soll, wir schauen immer geradeaus und gerade wenn wir auf der Spitze angekommen sind und der Wagen sich nach vorne neigt und wir dem Abgrund in Gedanken schon voran stürzen, dann müssen wir das Wort weiter sprechen, denn es wird uns tragen auch wenn wir immer schneller hinabstürzen, der Ton des Wortes schwingt und schwingt immer in der gleichen Lage, ein Fallschirm, hebt uns ab aus dem schrecklichen, immer lauter werdenden Sturz, greift mit einem Ruck unter unsere Arme und reißt das Schreien der Luft von unseren Ohren, dass alles ganz still wird und wir hinter unseren geschlossenen Augen uns selbst in unserem Zimmer wiederfinden, ein zu Tode erschrockenes Gesicht schaut uns an: unser eigenes, aber es macht uns keine Angst, denn wir gehören diesem Gesicht ja nicht mehr an. Leg die Hand auf den Mund und sieh in den Spiegel: wer verbietet dir das Sprechen?



31.10.06

Großformatiges Entsetzen: der Blick in die eigenen, leeren Augenhöhlen – Bonitätsverweigerer, Strafmaßlieferanten, Straßenmannschaftstraining, Bedeutungsjongleure, niemand kommt in der Einzahl vor, außer man selbst und die weiße Katze in Nachbars Garten, wenn man erst einmal alle Kabel abgerissen hat, alle Schläuche entfernt, die die Zwangsernährung dem Magen und die bewußtseinstrübenden Medikamente dem Gehirn zuführen, dann klärt sich der Blick, langsam, für kurze Zeit, ohne Schläuche ist nicht gut leben, trotzdem: Augen auf und durch, für einige Minuten wird man autonom existieren können, der Welt seltsam entglitten, hinausgetreten, unzugehörig, teilnahmslos und ohne verbliebenes Wahlrecht über den Verlauf des eigenen Schicksals. Man hat einen Raum verlassen und keinen neuen betreten, das Prinzip von Ursache und Wirkung hat den durchschlagenden Erfolg verloren, das Haus brennt nicht mehr, niemand klingelt, von der Katze bleibt nur die Farbe des Fells, es bleiben ohnehin fast nur noch Farben, man sitzt auf Farben wie auf Wirtshausbänken, die Rechnungen werden ohne den Wirt gemacht und nicht bezahlt, bestellt hat ja niemand etwas, beim wem auch? Man weiß nicht einmal ob es Winter ist, einmal ist es der Skiausflug und im nächsten Moment die Maiwanderung, jeder Schritt kann der letzte sein, so ein Boden hält kein Versprechen, letztlich warten wir auf den Vulkanausbruch, denn dann ist endlich einmal alles laut und deutlich gesagt, wir müssen nicht mehr wie Schwerhörige den Kopf in den Krater hängen um irgendetwas verstehen zu können von dem, was die Alte röchelt. Ist man dann vom Stein zerschmettert oder von der Asche verbrannt, hat man, was man wollte: die finale Auskunft. Öfter tot sein im Leben, das erfrischt Herz und Sinne. Die äußere Hülle kann derweil von Schmutz gereinigt, mit viel Wasser abgespült und hernach an der Leine zum Trocknen aufgehängt werden. Man glaubt nicht, wie viel farbiger die Welt nach einer solchen Wäsche ist! Wenn man genau in den eigenen Totenschädel hineinblickt, sieht man: es funkelt wie schwarzer Sirup. Im Sirup sind alle Farben des Lichts in tausendfacher Konzentration gefangen und so müssen wir einsehen, dass die Schwärze, die uns vorher als vermeintliche Leere zu Tode schreckte, eine Farbigkeit geballtester Herrlichkeit ist und mit der richtigen Verdünnung (Wäsche!) neuen Zauber und erquickende Frische dem eigenen Sehen ins Gemüt schickt. Wohlan denn - keine Angst: bestelle dein Haus.



27.10.06

Vor einigen Tagen klingelte der Leibhaftige an meiner Tür und fragte, ob ich eine Tasse Zucker für ihn hätte. Mir war es etwas peinlich, so unvermittelt mit meinem neuen Nachbarn ins Gespräch zu treten, war er doch erst am Vortag zugezogen und mehr als ein kurzes Beäugen und die Frage nach der Abfalltonne hatte es noch nicht gegeben. Jetzt stand er hier vor meiner Tür, die ich, ohne nachzudenken, aufgerissen hatte, weil ich die Post erwartet hatte, nun aber er, mir direkt gegenüber, ich, noch ungewaschen in weitgetragener Kleidung, es war schon später Vormittag, ich sagte erst Ja natürlich, dann aber fiel mir ein, dass ich nur ökologisch braunen Vollrohrzucker besaß, ich teilte ihm dies mit, und er ließ sein Tässchen sinken. Wofür er den Zucker denn bräuchte, wollte ich wissen, und er meinte, zum Süßen seines Kaffees, auch ich ließ mein inneres Tässchen sinken in der Überzeugung, dass brauner Vollrohrzucker, den man durchaus zum Backen, Haferbrei- und Tee-Süßen verwenden kann, wohl doch etwas zu dominant eigengeschmäcklerisch das feine Kaffeearoma überdröhnen würde. Kein weißer Zucker im Haus. Welch eine Schande. Trinken Sie keinen Tee? fragte ich und er starrte mir fassungslos ins Gesicht, das unter einer weißen Dusche weggespült wurde. Nein, sagte er. Aber trotzdem vielen Dank. Und Entschuldigung für die Störung.

Apfelzikaden. Sprungstille. Ich hab ein Ohr für dich. Und eins für dich. Zwei Ohren habe ich zu verteilen. Auch wenn sie gerne das gleiche hören. Meine geteilte und meine ungeteilte Aufmerksamkeit gehören dir gleichermaßen. Torkelnde Tristesse. Menschen, die sich an ihren Hosentaschen festhalten, spiegelverzerrtes Vorankommen, Nabelbruchschau, Nebel essen, eben, alles egal, es schwappt an einem vorbei, man selbst schwappt vorbei, alles schwappt vorüber und vorbei, wie kann einem so schlecht sein, wieso hängt einem der Kopf irgendwo in einer schwindelerregenden Höhe, das kann ja nur krumm und schief gehen und auf den Bodenbelag zustürzen, aua, Brettbeläge, tanz mit mir in den Mai, Wachholder, Wachtmeister, Waldzubehör, es ist aus, solln die Autos doch hupen, mir egal, ich bleib hier liegen, sollnse mich wegkratzen, über mich drüber rollen, scheißegal, ich bleib liegen, mich kriegt keiner hoch, die Sonne sticht, der Hafer sticht, das Ass sticht, die Welt ist eine Nähmaschine und nagelt einen mit heißen Stichen auf den Grund, Vernunft wird einem eingeimpft, das göttliche Licht der Aufklärung dringt nur mit Gewalt in die Augen, in die Sinne, Wahrnehmung tut weh, Wahrheit ist bitter, nur die Schluckimpfung ist süß, die ist gegen die Körperlähmung, die Impfung gegen die Geisteslähmung muss einem direkt ins Hirn injiziert werden mit schrecklichem Stich, bis die Augen platzen vor Freude über so viel Aufklärung, es klärt sich alles, bis nur noch klare Brühe übrig ist, kein Klößchen mehr, kein Fettauge, kein Möhrenstückchen schwimmt in der Wahrhaftigkeit herum, alles ist klar, die Dinge sind ausgekocht und nur noch in ihrer immateriellen Essenz vorhanden, der Geist ist unsichtbar, aber schmecken tut man ihn, und spüren kann man ihn auch, als Kälte die vorbeihuscht und einen schaudern lässt und vor Grauen erstarren, dass sich einem die Nackenhaare sträuben und die Augen weiten, weil sie sehen wollen, weil sie sehen müssen, doch so sehr man sie aufreißt – der Auftritt eines Geistes bleibt ein unsichtbarer, dennoch kann auch etwas, das man nicht sieht, einigen Eindruck machen, siehe --> Schatten.

[ Schatten: Einen Schatten kann man streng genommen nicht sehen, da er gerade das Fehlen des Lichts an einer bestimmten Stelle bezeichnet, nur vermittels der guten Beobachtungsgabe und intelligenter Geisteskombination gelingt es uns, aus der Form des fehlenden Lichts einige Rückschlüsse zu ziehen auf die Beschaffenheit desjenigen Körpers, welcher die Lichtaussparung verursacht hat, meist steht er ja direkt daneben. Richtig unheimlich wird es dann, wenn man nur den Schatten sieht, aber nicht das räumliche Objekt, das ihn verursacht hat. Zweidimensionale Dinge werfen keine Schatten, jedenfalls nicht auf den Boden, soviel ist klar. Schatten sind zweidimensional und werden von dreidimensionalen Objekten geworfen (was eine blöde Formulierung ist, denn einen Schatten wirft man nicht, man fängt das Licht ab und formt dadurch einen Schatten), kann man sich nicht vorstellen, es gäbe dreidimensionale Schatten, die ihre Form von vierdimensionalen Gestalten übernommen hätten? Sind Geister nicht das Fehlen einer ganzen Person? Ein dreidimensionaler Abklatsch eines unbekannten Größeren? Wahrlich ich sage dir: je größer ein Schatten, desto größer die Angst vor dem Werfer, denn er muss entweder gottgleich neben der himmlischen Lichtquelle sitzen (Fliege die um SEinen Kopf schwirrt) oder aber ein echter Brocken sein (Wolke, Flugzeug, Kingkong, etc), wie groß aber muss die Angst sein, wenn der Schatten körperliche Gestalt annimmt und den Raum auszufüllen beginnt?]

Mach dir nicht so viele Gedanken über das Fehlen des Lichts, Licht ist ja immer und überall verfügbar (es sei denn, du bist in einem dunklen Verlies eingesperrt, dann musst du dich beschweren), Schattenwerfen ist ein Kinderspaß wie Schminken oder Milch mit Orangensaft trinken, Lidschatten werfen, Wimperntusche werfen, Wattebällchen und Badeschaum, niemand hat Angst vor dem Frotteetuch, Mama ist die Beste, und wenn sie nach Parfüm stinkt weiß man: heut Nacht wird Hochzeit gemacht, gelacht und viel Erwachsenes gesprochen, ein neues Rezept wird an den Gästen ausprobiert und mit Wein heruntergespült, dass es kracht! Die Kerzenlichter glänzen so schön und die Augen und die Backen werden rot ganz ohne Rouge und die Mägen füllen sich und die Bäuche runden sich und die Brüste wölben sich und Messer und Gabel werden fein säuberlich neben Tellerchen und Becherchen gelegt, bevor irgendein Kaspar oder Philipp mit dem Stuhl hintenüber schlägt und den ganzen Klumpatsch herunterreißt und sich fast die Zunge abgebissen hätte, wenn nicht der geistesgegenwärtige Jurist der Familie ihm eine Serviette ins Maul gesteckt hätte, damit er da drauf beißt und nicht auf sein eigenes inneres Stück Fleisch. Immer müssen sie fallen, immer fallen sie, auf die Schnauze, aufs Gesicht, in den Dreck, hintenüber auf den Kopf, brechen und stauchen sich Arme, Hände, Knöchel - Fallsehnsüchtige wir alle, liegen, schlafen, ausruhen, nach all den Strapazen, nicht mehr kämpfen, und Mama fährt uns mit den breiten Reifen und Motorengeheul über den Kopf, das wird ganz warm, liebe Mama, gute Nacht.


19.10.06

Der Weg des Schmutzes

Haferdampfmaske, Exzesse der Askese, zu einem gelösten inneren Miteinander, quallenblau schlagen die Wellen über meinem Kopf zusammen, allgemeiner Beifall, ich: der begossene Pudel ohne Kern, ein beleidigtes, gedemütigtes Kind, dem der Kopf schwer herunterhängt vor Nässe und Schuld, kann man nicht einfach weggespült werden? fortgeschwemmt? abgewaschen von der glänzenden Oberfläche auf der man sich bewegt? Treibend im unübersichtlichen Meer des Klärschlamms haben wir keine Wahl, die Richtung in die wir trudeln, selbst zu bestimmen. Ein Schmutzpartikel hat überhaupt nicht mitzureden. Und: der Weg des Schmutzes ist ein Weg ohne Ende, denn nirgends ist der Schmutz dort, wo er hingehört. Schmutz gehört gar nicht in die Welt, Schmutz ist etwas, das in einem Universum der Reinheit schlicht und einfach nicht zu existieren hat, die schiere Existenz schreit nach Empörung, Schmutz ist etwas, das nie dort sein darf, wo es gerade ist, ist er auf der Hose, weg damit in die Wäsche, ist er im Wasser, weg damit in den Klärschlamm, ist er auf der Mülldeponie, weg damit in die Mägen der Ratten, Schmutz wandert immer von Ort zu Ort, wird vertrieben, verjagt, fein Liebchen Gute Nacht, kann man sich einen klinisch reinen Vagabunden vorstellen?- nein. Dem Wandernden legt der Schmutz sich auf die Kleider wie dem Verwesenden die Fliegenbrut sich ins Fleisch, man wird nicht sauber durch das Gehen, sauber wird man nur, wenn man durchs Fegefeuer geht, denn die reinliche Hitze dort brennt alle Sünden weg und Schmutzigkeiten, dass Rauch aus dem Schornstein steige in die Luft. Auch Jesus war ein Wanderer, ging sauber los, kam schmutzig an, immer kommen wir schmutzig an, duschen uns, gehen sauber wieder los und werden wieder schmutzig, Wunder der Pilgerschaft und des Hotelwesens, nie wird jemand durch das Wandern sauberer werden, (wann werden Wanderduschen erschaffen?) der Dreck bleibt beim, nein: kommt zum Wanderer, aber der Wanderer versucht dem Dreck zu entkommen, geht schneller, schlägt Haken, fährt mit Bussen, die auf keinem Plan verzeichnet sind, aber nie ist er schneller als der Schmutz, der sich ihm anhaftet, als sei der Wandernde und also vor dem Schmutz Fliehende ein Magnet, und der Schmutz ein Eisenspan - so ein Mondfleck ist auch ein Dreck, der an einem kleben bleibt beim nächtlichen Spaziergang, und sogar ein recht hartnäckiger, man kann ihn nicht wegbürsten noch wegschreien, man kann irre daran werden, ihn beseitigen zu wollen, niemand verfolgt einen einsam Dahingehenden auf teuflischere Art als das Licht, vor dem er sich doch zu verstecken sucht, das Licht ist der einzige Schmutz, der zwar ständig wandert, aber dennoch immer haften bleibt, eine satanische Idee, ein höhnischer Fingerzeig, wie kann man sich rein fühlen in Wolken von himmlischem Licht? wie tanzen die Staubpartikel so lustig im Sonnenstrahl, als könne ihnen die Befleckung durch das Goldgelb des Sternes nichts anhaben, meinen Staubkörner, nur weil sie klein sind, sie müssten sich nicht schämen, vom Licht getaucht, getunkt, ja geradezu untergetunkt zu werden, haben sie keine Angst, zu ertrinken in der satten Flut der Photonen? aber was sind wir anderes, als kleine Staubkörner, winzige Schmutzpartikel, die von den Wellen des göttlichen Heils hinfortgerissen, umhergespült und durcheinandergewirbelt werden? Und je kleiner wir sind, desto lustiger scheint unser Tanz. Ein Pudel dagegen ist groß und schwer und geht einfach nur unter.


18.10.2006

Ich bin ein Mahnmal. Wer mich sieht, soll an mich denken. Das ist schön. Das ist erhaben. Ich bin ein Glockenturm mit einem spitzen Hut und freitags läute ich besonders laut. Nur jetzt, jetzt bin ich gerade still, es ist noch nicht die volle Stunde.

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